„Wir sind Papst!“:
Benedikt XVI., ein Bayer im Himmel?


Vortrag//Diskussion mit Prof. Dr. Horst Herrmann
Sonntag, 24.7.05, 14.00 Uhr
Forum der Giordano Bruno Stiftung, Johann Steffen Str. 1, 56869 Mastershausen
Eintritt frei

Wer als Favorit ins Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus, lautete eine der alten Regeln zur Papstwahl. Doch diese kann von nun an getrost übergangen werden. Kein Name wurde bei den Spekulationen über den Nachfolger von Johannes Paul II. so häufig genannt wie der Joseph Ratzingers. Und doch verließ der überzeugte Bayer die Sixtinische Kapelle nicht als einer von 114 Kardinälen, sondern als Papst Benedikt XVI.

"Wir sind Papst!" titelte die BILD-Zeitung daraufhin euphorisch, doch eine wirkliche Begeisterung darüber, dass Deutschland mit Ratzinger gewissermaßen "Weltmeister in katholischen Glaubensfragen" geworden war, wollte sich bei der Bevölkerung trotz einer perfekt funktionierenden Propagandamaschine nicht einstellen. Horst Herrmann, der im Vorfeld auf die Wahl Ratzingers zum Pontifex eine Kiste Champagner gewettet (und auch gewonnen) hatte, beleuchtete in seinem Vortrag die Persönlichkeit des neuen Papstes und führte aus, was wir von ihm in seinem Pontifikat zu erwarten haben.

Zum Referenten: Prof. Dr. Horst Herrmann, geboren 1940, wurde 1970 als jüngster deutscher Universitätsprofessor der Theologie an die Universität Münster berufen. Nach schweren Auseinandersetzungen um seine Forschung und Lehre wurde ihm bereits 1975 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen: der erste Fall dieser Art in der Bundesrepublik. Nach jahrelangen neuen Streitigkeiten (erstes und einziges sog. Lehrbeanstandungsverfahren der Dt. Bischofskonferenz) und der kirchenoffiziellen Verurteilung wegen Häresie (auch durch den Vatikan) wechselte er 1981 in den Fachbereich Sozialwissenschaften und hat seither in Münster einen Lehrstuhl für Soziologie inne. Sein Werk umfasst 45 Bücher (viele in mehrere Sprachen übersetzt), über 200 Beiträge in Zeitschriften und Hunderte von Vorträgen und Reden im In- und Ausland. Auf Vorschlag von H. Böll wurde Horst Herrmann 1977 Mitglied des PEN-Clubs.

Auswahl der Buchveröffentlichungen von Horst Herrmann: Ehe und Recht (1972); Ein unmoralisches Verhältnis. Staat und Kirche in der Bundesrepublik (1975); Die sieben Todsünden der Kirche. Mit einem Nachwort von Heinrich Böll (1976, 1978,1992); Savonarola (1977); Ketzer in Deutschland (1978); Papst Wojtyla. Der heilige Narr (1983); Martin Luther (1983, 1999, 2003); Vaterliebe. Ich will ja nur dein Bestes (1989); Die Angst der Männer vor den Frauen (1989); Die Kirche und unser Geld (1990, 1992); Die Caritas-Legende (1993, 1996); Der Anti-Katechismus. 200 Gründe gegen die Kirchen und für die Welt. Mit K. Deschner (1991); Kirchenaustritt (1992,1994); Kirchenfürsten. Zwischen Hirtenwort und Schäferstündchen (1992, 1994, 1999);Was ich denke (1994); Johannes Paul II. beim Wort genommen (1995); Sex und Folter in der Kirche (1994,1998, 2005); Eine Henne, die da krähet ... Sprüche der Weisheit aus dem abendländischen Geistesleben. Mit B. Herrmann (1998); Liebesbeziehungen – Lebensentwürfe (2001); Begehren, was man verachtet. Männer haben Angst vor Frauen (2003); Lexikon der kuriosesten Reliquien (2003); Die Heiligen Väter. Päpste und ihre Kinder (2004); Die Folter. Eine Enzyklopädie des Grauens (2004); Johannes Paul II. Wahrer Mensch und wahrer Papst (2005); Nero. Eine Biographie (2005); Benedikt XVI. (2005).

Hintergrundinformation (externer Link)
"Ratzinger ist Wojtyla in Potenz" - Interview mit Horst Herrmann (Spiegel online, 20.4.05)