Warum "Giordano Bruno"-Stiftung?

 

Hintergründe zur Namensgebung

Giordano Bruno, „eines der größten Genies der Neuzeit“ (Deschner), wurde 1600 nach sieben finsteren Kerkerjahren auf dem Scheiterhaufen der sog. „Heiligen Inquisition“ verbrannt. Sein Vergehen: Er hatte das kirchenamtlich vorgegebene Weltbild in einer bis dahin unerreichten Schärfe verworfen und das Dogma der Sonderstellung von Menschheit und Erde im Kosmos durch seine Theorie des „unendlichen Universums“ und der „Vielheit der Welten“ (Bruno spekulierte, die von der Erde sichtbaren Sterne seien Sonnen, die von möglicherweise bewohnten Planeten umkreist würden) in weit dramatischerem Maße entzaubert als Galilei, der nur wenige Jahre später (mit etwas freundlicherem Ausgang) in die Hände der Inquisition geriet. (Es ist wohl auch symptomatisch, dass von Seiten des Vatikans vor einigen Jahren der Urteilsspruch gegen Galilei halbherzig zurückgenommen wurde, die Verdammung und Verbrennung Brunos jedoch bis heute als „wohl begründet“ angesehen wird.)
Gewiss: Brunos Methodik entsprach nicht der Herangehensweise der heutigen Naturwissenschaft und einige seiner mystischen Überlegungen lassen sich im Lichte moderner Erkenntnisse kaum noch nachvollziehen. Dennoch: Die Richtigkeit vieler seiner Überlegungen ist beeindruckend – nicht nur auf dem Gebiet der Kosmologie (s.o.). In Brunos völlig unzeitgemäßer Philosophie finden sich bereits Grundzüge einer nicht-dualistischen, naturalistischen Welterkenntnis, womit er zentrale Gedankengänge Spinozas vorwegnahm, die in der aktuellen Hirnforschung von großer Bedeutung sind (vgl. etwa Antonio Damasios Buch "Der Spinoza-Effekt“). Darüber hinaus gibt es bei Bruno auch schon Überlegungen zur evolutionären Abstammungslehre und einer evolutionär-humanistischen Ethik, die auch die Rechte nichtmenschlicher Organismen mit einschließt.
Letztlich ist natürlich auch Brunos Beitrag zur Religionskritik zu würdigen (nicht umsonst hatte Ludwig Feuerbach, der wichtigste Initiator der modernen Religionskritik, bis zu seinem Tod ein Bild Brunos auf dem Schreibtisch). Kaum jemand hatte vor Bruno (und auch lange Zeit nach ihm) den Mut, Sätze zu formulieren, wie die folgenden: „[…]betet zu Gott, auf dass er, falls ihr noch keine Esel seid, Euch zu Eseln werden lasse! [...] Toren in der Welt sind jene gewesen, die die Religion, die Zeremonien, das Gesetz, den Glauben, die Lebensordnung begründet haben; die größten Esel der Welt, die jedes anderen Sinnes und Wissens bar und alles geselligen Lebens und geselliger Gesittung entbehrend in ständiger Pedanterie wandeln […] Sehet zu, ob die ersteren sich um die geheimen Ursachen der Dinge jemals gekümmert haben, ob sie Verzeihung üben, sollten auch Reiche zerstört, Völker zerstreut, sollte auch alles mit Brand, Blut, Ruin und Verwüstung erfüllt werden; ob es ihnen zu Herzen geht, dass die ganze Welt durch sie dem Untergange geweiht wird!“
All dies sind Gründe, die zur Entscheidung führten, die Stiftung nach Giordano Bruno, dem großen tragischen Helden der Wissenschafts- und Emanzipationsgeschichte, zu benennen. Dass sein Name gegenwärtig auch von esoterischen Splittergruppen besetzt wird, spricht nicht gegen diese Namensgebung, sondern eher dafür. Es wäre ein fataler Fehler, würde man die widerständigen Geister der Wissenschaftsgeschichte den Esoterikern überlassen. Den heutigen Wissenschaftlern sollte vielmehr bewusst werden, dass Aufklärung ein Kampfbegriff geblieben ist. Kritische Forschung nämlich setzt nicht nur kluge Köpfe voraus, sondern auch die Fähigkeit zum aufrechten Gang…

zu Giordano Bruno siehe auch die GBS-Website: www.bruno-denkmal.de