Newsletter vom 25.9.2026 [1]
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Foto: »Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung«
- »Sichere und legale Schwangerschaftsabbrüche JETZT!«: In den kommenden Tagen finden deutschlandweite Aktionen zum »Safe Abortion Day« statt
- »Philo.live!« 2026: Im November geht das spannende Berliner Philosophie-Festival in die dritte Runde
- Wissenschaftliche Exzellenz trifft auf humanistisches Engagement: Das Bertha von Suttner-Studienwerk bekommt zum Oktober zehn neue Stipendiat*innen
- Kurz notiert: 20 Jahre hpd - wie alles begann / Neue Perspektiven für den Zentralrat der Konfessionsfreien / »Fehlstart« der Islamfakultät Münster? / Stellenausschreibung des Hans-Albert-Instituts / In eigener Sache
- Literaturempfehlungen: Lesenswerte Bücher von Hamed Abdel-Samad, Rüdiger Vaas, Helmut Ortner, Ralf König und Jacques Tilly
- Die nächsten Termine
»Sichere und legale Schwangerschaftsabbrüche JETZT!«
In den kommenden Tagen finden deutschlandweite Aktionen zum »Safe Abortion Day« statt
Noch immer werden ungewollt Schwangere in Deutschland kriminalisiert, wenn sie einen Abbruch vornehmen lassen wollen oder müssen. Sie müssen sich einer Zwangsberatung unterziehen, eine dreitägige Zwangsbedenkzeit hinnehmen, stundenlange Fahrtwege in Kauf nehmen – und das alles bis zur 12. Schwangerschaftswoche. Dagegen wendet sich das »Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung« mit dem »Safe Abortion Day«, in dessen Rahmen 83 Aktionen in 54 Städten stattfinden.
Sowohl die WHO als auch der Europarat haben Deutschland bereits mehrmals für die bestehende Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen abgemahnt. AfD und CDU setzen sich jedoch weiter dafür ein, dass die Kriminalisierung von Abtreibungen erhalten bleibt. Dabei kann die christliche Rechte auf üppige Finanzquellen zurückgreifen, wie der Report »The Next Wave: How Religious Extremism Is Regaining Power« [3] gezeigt hat: So wurden allein zwischen 2019 und 2023 rund 1,2 Milliarden US-Dollar für religiöse Anti-Gender- und Anti-Abtreibungskampagnen in Europa ausgegeben. Die Gelder stammen u.a. aus Russland und den USA.
Um dieser gefährlichen Entwicklung entgegenzuwirken, ist die Politik gefordert, die im Grundgesetz verankerten, individuellen Selbstbestimmungsrechte ernst zu nehmen. Auf dem Gebiet der reproduktiven Selbstbestimmungsrechte bedeutet dies u.a.,
- dass Menschen, die einen Schwangerschaftsabbruch benötigen, durch die Abschaffung von §218 StGB und §219 StGB entkriminalisiert und entstigmatisiert werden,
- dass Schwangere ortsnah die medizinische Versorgung bekommen, die sie brauchen, und
- dass der Schwangerschaftsabbruch endlich Teil der gynäkologischen Ausbildung wird.
Die Giordano-Bruno-Stiftung unterstützt das »Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung« seit dessen Gründung im Jahr 2012. Im Rahmen des (von der gbs und dem »Institut für Weltanschauungsrecht« begleiteten) Verfahrens gegen die Gießener Ärztin Kristina Hänel konnte das Bündnis so viel Druck auf der Straße erzeugen, dass der »Ärzteeinschüchterungsparagraf« 219 StGB 2022 vom Deutschen Bundestag aufgehoben wurde [4].
Wenig später wäre es – nach 150 Jahren – beinahe auch zu einer grundlegenden Reform der Gesetzgebung zum Schwangerschaftsabbruch gekommen, was aber leider von der (auf diesem Gebiet einst sehr progressiven) FDP im letzten Moment verhindert wurde. Zurzeit begleiten gbs, ifw und »Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung« auch den Fall des Gynäkologen Joachim Volz [5], dem vom katholischen Klinikbetreiber untersagt wurde, medizinisch indizierte Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen.
Dass sich die Giordano-Bruno-Stiftung so sehr für sexuelle und reproduktive Selbstbestimmungsrechte einsetzt, rührt daher, dass es sich dabei eben nicht um einen Nebenaspekt der politischen Auseinandersetzung, sondern vielmehr um ein Kernelement der bürgerlichen Freiheit handelt, wie der Artikel »Wer den Sex kontrolliert, kontrolliert die Gesellschaft« im aktuellen bruno.-Jahresmagazin [6]aufzeigt. Denn sexualfeindliche Ideologien sind »freiheitsfeindliche, menschenfeindliche Ideologien. Sie mögen zwar den Eindruck vermitteln, bloß einen kleinen Teilbereich des Lebens reglementieren zu wollen, letztlich aber zielen sie auf die Gesamtorganisation der Gesellschaft ab.«
Ausführliche Informationen zu den Aktionen im Rahmen des diesjährigen »Safe Abortion Day« finden sich auf der Website zum Aktionstag [7].
»Philo.live!« 2026
Im November geht das spannende Berliner Philosophie-Festival in die dritte Runde
Vom 20. bis 22. November 2026 lädt die »Philo.live!« erneut zum gemeinsamen Denken ein. Die Bundeshauptstadt wird zu einem Ort, an dem sich Menschen mit konträren Perspektiven begegnen und prägende Stimmen aus Philosophie, Wissenschaft, Politik und Kultur die drängenden Fragen unserer Zeit verhandeln. Tickets sind ab sofort erhältlich – erstmals auch als Festivalpässe, um bis zu 30 Prozent reduziert.
Wie groß das Bedürfnis nach offenen Debatten-Räumen ist, hat bereits die weitgehend ausverkaufte »Philo.live!« im vergangenen Jahr gezeigt [8]. In diesem Jahr kehrt das einzige Berliner Philosophie-Festival zurück ins Kulturquartier »silent green« und widmet sich zum Auftakt der Frage, wie sich Handeln und Widerstand angesichts scheinbarer Alternativlosigkeit neu denken lassen. Auch die weiteren Panels loten Grundfragen unserer Gegenwart aus, etwa: Ist der Liberalismus gescheitert? Wo verläuft die Grenze zum Faschismus-Vorwurf? Und wie sollte sich Deutschland im Streit um den Nahostkonflikt positionieren? Die moderierten Bühnengespräche nehmen sich bewusst Zeit für das, was in der schnellen Tagesdebatte zu kurz kommt: eine fundierte, differenzierte Auseinandersetzung, die einem breiten Publikum zugänglich bleibt.
Den Festivalauftakt am 20.11. gestalten der Soziologe Hartmut Rosa und die Schriftstellerin und Philosophin Thea Dorn mit dem Thema: »Gibt es eine Alternative? Handeln in Zeiten schwindender Spielräume" (19.30 Uhr). Am 21. und 22. November bespielt »Philo.live!« mit acht weiteren Veranstaltungen erneut das Festivalgelände des »silent green«. In den separat buchbaren sowie erstmals mit verschiedenen Festivalpässen kombinierbaren Veranstaltungen sind u.a. zu Gast: Wolfgang Kubicki, Julian Nida-Rümelin, Nele Pollatschek, Ilko-Sascha Kowalczuk, Ahmad Mansour, Heike Geißler, Dieter Thomä, Robert Pfaller, Hanno Sauer und Moshe Zuckermann.
Die Festival-Geschäftsführerinnen Svenja Flaßpöhler, Programmverantwortliche, und Rieke Brendel, Produktionsleiterin, blicken auf die dritte Festivalausgabe mit hohen Erwartungen: »Je schwieriger die Zeiten politisch werden, desto dringender brauchen wir Orte, an denen Menschen zusammenkommen, um die großen Fragen der Gegenwart zu erörtern. Urteilsfähigkeit, Meinungsbildung und der Mut, den eigenen Verstand zu gebrauchen, sind die Fundamente der Demokratie. ›Philo.live!‹ will dieses Fundament durch freies, offenes Denken stärken.«
Das »Philo.live!«-Festival wird veranstaltet vom »Philosophie Magazin« und der »phil.COLOGNE«, unterstützt von der Giordano-Bruno-Stiftung, der C.H. Beck Kulturstiftung, der Klett-Stiftung und dem dm-drogerie markt sowie den Medienpartnern »radio3« (rbb) und »Tagesspiegel«. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Ausführliche Infos zum Programm sowie zu den Tickets gibt es auf der Website der »Philo.live!« [9].
Wissenschaftliche Exzellenz trifft auf humanistisches Engagement
Das Bertha von Suttner-Studienwerk bekommt zum Oktober zehn neue Stipendiat*innen
Das Bertha von Suttner-Studienwerks (BvS) begrüßt seine neuen Stipendiat*innen. Die Auswahlkommission hatte auch in diesem Jahr keine leichte Aufgabe: Aus mehr als 170 Bewerbungen galt es, die zehn überzeugendsten Kandidat*innen auszuwählen. Ab Oktober werden sie vom Studienwerk gefördert und in das stetig wachsende BvS-Netzwerk aufgenommen.
»Viele Bewerber*innen haben mit außergewöhnlichen akademischen Leistungen und einem beeindruckenden gesellschaftlichen Engagement überzeugt«, heißt es aus dem Vorstand des BvS-Studienwerks, dem Agnieszka Zyluk (Humanistischer Verband Deutschlands), Ulla Wessels (Giordano-Bruno-Stiftung), André Lipski (Humanistische Akademie Deutschland) und Tobias Wolfram (Bundesarbeitsgemeinschaft Humanistischer Studierender) angehören. »Die Kandidat*innen, die wir zu Auswahlgesprächen eingeladen haben, lagen in ihren Qualifikationen teilweise äußerst dicht beieinander. Die hohe Qualität der Bewerbungen hat gezeigt, dass der Bedarf an einer humanistischen Begabtenförderung weit über die derzeit verfügbaren Mittel hinausgeht.«
Die 10 neuen Suttner-Stipendiat*innen kommen aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, darunter Humanmedizin, Mathematik, Neurowissenschaften und Rechtswissenschaft. Einige verfolgen ausdrücklich interdisziplinäre Ansätze, etwa an den Schnittstellen von Politik-, Sozial- und Rechtswissenschaften, Wirtschaftsinformatik und Management oder Physik und Mathematik. Andere absolvieren ein Lehramtsstudium.
Die Geförderten studieren oder promovieren an verschiedenen Universitäten und Hochschulen im In- und Ausland, unter anderem in Berlin und Göttingen, London, Oxford und Paris. Auch ihre außerwissenschaftlichen Interessen und gesellschaftlichen Aktivitäten sind vielfältig. Sie engagieren sich beispielsweise in der akademischen Selbstverwaltung, für Inklusion oder in der Flüchtlingshilfe. Allen Stipendiat*innen gemeinsam sind indes eine hohe Reflektiertheit, eine klare Wissenschaftsorientierung und ebenso klare Festlegung auf humanistische Werte.
»Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit den neuen Stipendiat*innen, die uns mit ihrem Wissen, ihren Talenten und ihrer Offenheit beeindruckt haben!«, erklärt der BvS-Vorstand, der bei den Auswahlgesprächen von Mitarbeiter*innen des Humanistischen Verbandes Deutschland (Annathea Braß und Dr. Franziska Schneider) sowie Mitgliedern der Bundesarbeitsgemeinschaft Humanistischer Studierender (Dr. Nico Büttner) und des Wissenschaftlichen Beirats des Studienwerks (Prof. Dr. Horst Marschall) unterstützt wurde.
Lesen Sie die vollständige Pressemitteilung auf der Website des Berha von Suttner-Studienwerks... [10]
Kurz notiert
20 Jahre hpd - wie alles begann: Am 20. Oktober 2006 ging der »Humanistische Pressedienst« (hpd) offiziell an den Start, doch die Vorarbeiten dazu hatten schon Monate zuvor begonnen. hpd-Redakteur Frank Nicolai sprach darüber mit dem gbs-Vorsitzenden Michael Schmidt-Salomon, der von Anfang an in das Projekt involviert war und dem »Humanistischen Pressedienst« seinen Namen gab. Hier geht es zum ausführlichen hpd-Interview... [11]
Neue Perspektiven für den Zentralrat der Konfessionsfreien: Bei seiner Strategieklausur am 11. und 12. September in Erfurt hat der Zentralrat der Konfessionsfreien zwei Workshops durchgeführt und seine Ratsversammlung mit Vorstandswahlen abgehalten. Der Vorstand wurde für zwei weitere Jahre wiedergewählt und hat über erweiterte finanzielle Möglichkeiten berichtet. Lesen Sie dazu die Pressemitteilung des Zentralrats... [12]
»Fehlstart« der Islamfakultät Münster? Am 24. September 2026 hat die Universität Münster die erste Islamisch-Theologische Fakultät Deutschlands eröffnet. Gründungsdekan ist der humanistische Islamtheologe Mouchanad Khorchide – was eine gute Nachricht ist. Bedauerlicherweise jedoch wirkt im Beirat der Fakultät u.a. Burhan Kesici (Vorsitzender des »Islamrats«) mit, der Homosexualität als »abnormal« einordnet und sich offensiv hinter die »Islamische Gemeinschaft Millî Görüş« (IGMG) stellt, die laut Sicherheitsbehörden die größte islamistische Organisation Deutschlands ist. Der »Arbeitskreis Politischer Islam« (AK Polis) hat dies auf seiner Website kritisch kommentiert... [13]
Stellenausschreibung des Hans-Albert-Instituts: Das (von der gbs getragene) HAI sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine studentische bzw. wissenschaftliche Hilfskraft auf Minijob-Basis. Es geht dabei um die redaktionelle und organisatorische Betreuung des renommierten Journals »Rationality, Markets and Morals (RMM)« [14], um allgemeine organisatorische Unterstützung der Institutsarbeit sowie die Pflege der Website und der Social-Media-Kanäle des Instituts. Weitere Informationen dazu gibt es auf der HAI-Website... [15]
In eigener Sache: Wir haben es nicht nur selbst festgestellt, sondern wurden auch von mehreren Leserinnen und Lesern darüber informiert, dass die diesjährige Print-Ausgabe des »bruno.«-Jahresmagazins ungewöhnlich stark riecht. Wir bitten, dies zu entschuldigen! Immerhin: Auch wenn manche die Ausdünstungen als unangenehm empfinden, so sind sie doch ungiftig! Wie alle vorangegangenen Ausgaben des »bruno.« wurde auch das aktuelle Heft nach den hohen Maßstäben von »Cradle to Cradle« (C2C) gedruckt. Die Farben, Lacke, Leime und Papiere der Ausgabe sind somit biologisch abbaubar. Wir haben die Druckerei entsprechend informiert und gehen davon aus, dass die nächste »bruno.«-Ausgabe keine olfaktorische Missstimmungen mehr auslösen wird. ;-)
Literaturempfehlungen
Hamed Abdel-Samad: With God on their Side. Die unheilvolle Allianz von Politik und Religion. dtv 2026. Am 8. Oktober erscheint das neue Buch von gbs-Beirat Hamed Abdel-Samad (Buchpremiere am 12.10. mit Constantin Schreiber in Berlin). Er hat in der Vergangenheit bereits herausragende Bücher zur Islam- und Integrationsdebatte vorgelegt, doch sein aktuelles Werk dürfte sein bestes, wichtigstes, tiefgründigstes sein. »With God on their Side« erklärt, weshalb autoritäre Regime weltweit auf reaktionäre religiöse Normen zurückgreifen, um ihre jeweilige Herrschaftsideologie zu stabilisieren. In der islamischen Welt ist diese Strategie der »Sakralisierung der Politik« seit der Mullahrevolution im Iran (1979) etabliert, doch in Russland, Indien, Israel oder den USA ist sie erst in den letzten 20 Jahren zum Vorschein gekommen. Chomeini habe den Westen regelrecht dazu gezwungen, wieder religiös zu denken, erläutert Abdel-Samad. Doch mit dieser Strategie könne der Westen nur verlieren. Deshalb zeigt der Autor im letzten Kapitel seines Buchs (»Freiheit ohne Mythos«) auf, mit welcher Geisteshaltung die Verteidiger der offenen Gesellschaft der »Internationale der Nationalisten« entgegentreten sollten: »Ein Abendland, das sich in Religion und Nationalismus zu retten versucht, verliert seine Attraktivität. Es verwandelt sich von einem Sehnsuchtsort in ein Schlachtfeld konkurrierender Identitäten. (...) Die Zukunft des Westens entscheidet sich nicht daran, wie laut er betet, sondern daran, wie konsequent er frei bleibt.« Ein sowohl inhaltlich überzeugendes wie auch brillant geschriebenes Buch, dem man größte Verbreitung wünschen darf. Unbedingte Kaufempfehlung! (Website des Verlags [16])
Rüdiger Vaas: Der intelligente Kosmos. Außerirdische Zivilisationen und die Zukunft der Menschheit. Hirzel 2026. »Sind wir allein im Universum oder existieren auch andere Intelligenzen – vielleicht sogar Superzivilisationen mit einer viel höher entwickelten Technologie und Ethik?« Dieser Frage widmet sich gbs-Beirat Rüdiger Vaas in seinem aktuellen Buch. Als Buchautor und Redakteur von »bild der wissenschaft« hat er sich längst den Ruf erworben, komplexeste physikalische Theorien (etwa von Einstein und Hawking) verständlich darzustellen – und dies zeichnet auch seine aktuelle Veröffentlichung aus. Es ist faszinierend, wie detailreich Vaas die abenteuerliche Suche nach außerirdischen Zvilisationen schildert. Das Buch ist ein Muss für jeden Physik- und Science-Fiction-Freak, aber auch für jene, die die menschliche Zivilisation besser verstehen wollen. Denn im kosmologischen Maßstab schmelzen, wie schon Carl Sagan zeigte, alle nationalen und religiösen Eitelkeiten dahin. Im Unterschied zu Sagan ist Vaas allerdings keineswegs davon überzeugt, dass ETs, falls sie unsere Erde jemals besuchen, ihre »Pubertätsphase« bereits überwunden haben und entsprechend weise und friedliebend geworden sind. Möglicherweise, so Vaas, müssten wir sogar eher mit »außerirdischen Missionaren« rechnen, die der religiösen Maxime »Macht euch das Universum untertan!« folgen. Wenn es dazu kommen sollte, dann »Gnade uns Gott!«. Ein spannendes, kenntnisreiches, augenöffnendes Buch! (Website des Verlags [17])
Helmut Ortner: Fremde Feinde. Der Fall Sacco und Vanzetti. Edition AV 2026. Am 23. August 1927 wurden Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Der Prozess gegen die beiden aus Italien stammenden Männer gilt heute als einer unfairsten der amerikanischen Justizgeschichte. gbs-Beirat Helmut Ortner schildert einfühlsam und prägnant die tragische Geschichte von Sacco und Vanzetti, die vermutlich nur deshalb auf dem elektrischen Stuhl sterben mussten, weil sie Ausländer, Atheisten und Anarchisten waren. Ursprünglich bereits 2015 erschienen, hat Ortners Buch jetzt eine erweiterte Neuauflage erfahren. Der Grund dafür liegt auf der Hand: 100 Jahre nach dem Fall von Sacco und Vanzetti muss man nämlich befürchten, dass vergleichbare Justizmorde in den USA wieder möglich sind. Eine erschütternde »True-Crime-Story«, die zeigt, welch verheerende Folgen es hat, wenn Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit in einer Gesellschaft Oberhand gewinnen. (Link zum hpd-Artikel von Helmut Ortner [18])
Ralf König / Alex Jakubowski: Pflaumensturz und Sahneschnitten. Egmont Verlag 2025. Schon im vergangenen Jahr ist zum (man glaubt es kaum!) 65. Geburtstag von Ralf König der prächtige Bildband »Pflaumensturz und Sahneschnitten« erschienen. Das großformate Hardcover-Werk enthält nicht nur zahlreiche Comicstrips, die bislang noch nicht in Buchform erschienen sind, sondern auch ein ausführliches Gespräch zwischen Ralf König und Alex Jakubowski, in dem der Zeichner viel über sein Leben, seine Arbeit und seine Ansichten zu »Gott und die Welt« verrät. Dabei erklärt Ralf König u.a. auch, wie es zu den religionskritischen Comics gekommen ist (u.a. Prototyp, Archetyp und Antityp), die er kurz nach seinem Eintritt in den gbs-Beirat gezeichnet hat. Ein kluges, lustiges (und für manche sicherlich hin und wieder auch grob anstößiges) Buch, das in keiner Ralf-König-Sammlung fehlen sollte! (Website des Verlags [19])
Jacques Tilly: Wer hat Angst vor Pappmaché? Herausgegeben von Eva Creutz. Alibri 2026. Am 7. Oktober wird gbs-Beirat Jacques Tilly ein Buch in Düsseldorf vorstellen, das Wladmir Putin nicht gefallen dürfte: »Wer hat Angst vor Pappmaché?« zeigt nämlich alle putinkritischen Wagen, die Tilly seit 2009 für den Düsseldorfer Karnevalszug entworfen hat. Einige dieser Figuren ärgerten den Kreml so sehr, dass ein Moskauer Gericht den Wagenbauer in Abwesenheit wegen »Falschinformationen über das russische Militär« und »Verletzung religiöser Gefühle« zu achteinhalb Jahren Straflager verurteilte – ein bislang einzigartiger Angriff auf die Meinungs- und Kunstfreiheit im Westen! Das Buch dokumentiert allerdings nicht nur die absurde Auseinandersetzung »Putin versus Tilly«, sondern zeigt auch viele andere politische Wagen, die Tillys Team seit 2021 gebaut hat. Vielleicht mag es Putin ja ein wenig beruhigen, dass Donald Trump, die iranischen Mullahs, die katholische Kirche oder die AfD in Tillys XXL-Karikaturen nicht sehr viel besser weggekommen sind. Vielleicht könnte man auch über den »Rollentausch« nachdenken, den Ralf König in seinem Statement zum Buch (weitere Statements stammen von Ingrid Matthäus-Maier, Jürgen Becker und Jan Böhmermann) vorgeschlagen hat: »Putin macht Karneval, Tilly macht gute Laune bei wichtigen Gipfeltreffen. (...) An den Schaltstellen der Weltpolitik verliefe es jedenfalls entspannter mit ein paar begabteren Pappnasen!« Ein Buch, das nicht nur Spaß macht, sondern auch zeigt, wie wichtig es ist, die Freiheit der Satire zu verteidigen. (Website des Verlags [20])
Die nächsten Termine
Die Termine der nächsten Wochen (u.a. das Kortizes-Symposium zur KI oder die Buchvorstellungen von Hamed Abdel-Samad und Jacques Tilly) gibt es, wie immer, im gbs-Terminkalender [21].
Mit freundlichen Grüßen
Das gbs-Newsletter-Team
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