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"World Citizens instead of Reich Citizens!"

In Berlin findet vom 11.-18. November die "Säkulare Woche der Menschenrechte" statt

Die universellen Menschenrechte sind durch den Vormarsch von Nationalisten und Fundamentalisten weltweit bedroht. Aus diesem Grund erinnert die "Säkulare Woche der Menschenrechte" (Berlin, 11.-18. November) an die weltbürgerliche Haltung, die der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" zugrunde liegt. Mit von der Partie sind u.a. Richard Dawkins, Hamed Abdel-Samad, Ingrid Matthäus-Maier, Michael Schmidt-Salomon, Mina Ahadi, Michael Shermer und Philipp Möller.

Im Vorfeld des 70. Jahrestages der Verabschiedung der UN-Menschenrechtserklärung (10.12.1948) haben sich verschiedene säkulare Verbände zusammengefunden, um unter dem Motto "Weltbürger statt Reichsbürger!" eine prominent besetzte Veranstaltungsreihe zu organisieren. Den Auftakt macht am Sonntag, dem 11. November, eine Podiumsdiskussion in der Urania Berlin zwischen dem britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins und dem amerikanischen Wissenschaftsjournalisten und Gründer der "Skeptics Society" Michael Shermer. Grundlage ihres Gesprächs, das sich vor allem um den Wert und die Werte der Wissenschaft drehen wird, sind ihre aktuell auf Deutsch erschienenen Bücher "Forscher aus Leidenschaft" und "Der moralische Fortschritt".
 

70 Jahre Erklärung der Menschenrechte, die Säkulare Flüchtlingshilfe und das Vermächtnis Fritz Bauers

Am Montagmorgen (12.11.) stellt die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) im Haus der Bundespressekonferenz die Anliegen der "Säkularen Woche der Menschenrechte" sowie ihre Broschüre "Die Menschenrechte: Wie sie entstanden sind – und warum wir sie verteidigen müssen" vor. Die 24-seitige Broschüre, die breit an die Schulen des Landes verteilt werden soll, erläutert die oft vergessenen Hintergründe der Menschenrechte sowie ihre aktuelle Bedrohung. Im Rahmen der Pressekonferenz wird sich zudem der Verein "Säkulare Flüchtlingshilfe" (Atheist Refugee Relief) präsentieren, der gezielt religionsfreie Menschen unterstützt, die vor dem politischen Islam nach Deutschland geflohen und auch hierzulande besonders gefährdet sind.

Am Montagabend lädt die "Säkulare Flüchtlingshilfe Berlin" zu einem Infoabend ins Haus der Menschenrechte ein, um die Vereinsarbeit erstmalig der Öffentlichkeit vorzustellen. Mit dabei: R.future-TV, ein Integrationsprojekt des Vereins Demokratielotsen e.V., das mit Flüchtlingen Aufklärungsfilme über die Regeln des Zusammenlebens in Deutschland produziert. Ein Abend mit Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, mit arabischen Speisen und einem guten Gläschen Wein.

Zum Gedenken an den vor 50 Jahren unter mysteriösen Umständen gestorbenen hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer findet am Donnerstagabend (15.11.) im Kino Hackesche Höfe eine Vorführung des Dokumentarfilms "Fritz Bauer – Tod auf Raten" von Ilona Ziok statt. Bauer hatte fast im Alleingang und gegen erhebliche Widerstände den Nationalsozialismus juristisch aufgearbeitet, maßgeblich zur Ergreifung Adolf Eichmanns beigetragen und wesentliche Impulse für eine Humanisierung des Rechtssystems gegeben. Dass das Vermächtnis Bauers, des wohl bedeutendsten Streiters für Demokratie und Menschenrechte in der Nachkriegszeit, heute wieder stärkere Beachtung findet, ist nicht zuletzt Zioks Dokumentarfilm zu verdanken. Im Anschluss an die Filmvorführung spricht der Philosoph Michael Schmidt-Salomon mit Ilona Ziok über ihre Doku sowie die Bedeutung Fritz Bauers in der aktuellen politischen Situation
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Islam und Menschenrechte, der Weltbürger Nr. 1 und der säkulare Staat der Zukunft

"Islam und Menschenrechte – verschiedene Kulturen, die gleichen Probleme?" lautet das Thema der Podiumsdiskussion am Freitagabend (16.11.) im Veranstaltungszentrum Palisa. Mitwirkende sind u.a. Hamed Abdel-Samad ("Der islamische Faschismus"), Mina Ahadi (Vorsitzende des "Zentralrats der Ex-Muslime") und Rana Ahmad ("Frauen dürfen hier nicht träumen"). Unter der Moderation von Angelika Kallwass werden vier Flüchtlinge aus Saudi-Arabien, Mauretanien, Bangladesh und Pakistan ihre bewegenden Geschichten erstmals öffentlich erzählen. Sie machen klar, was es bedeutet, von Islamisten verfolgt zu werden – nicht nur in ihren Heimatländern, sondern auch im sogenannten "freien Westen".

Am Samstagabend (17.11.) kommt es im Kino Hackesche Höfe zu einer Europäischen Filmpremiere: Der Film "The World is My Country – The Garry Davis Story” dokumentiert die abenteuerliche Geschichte des "Weltbürgers Nr. 1" Garry Davis, der vor 70 Jahren seinen US-Pass abgab und auf dem Gelände der UN in Paris kampierte. Unterstützt u.a. von Albert Camus und Albert Einstein besetzte Davis am 19. November 1948 die UN-Vollversammlung. Die von ihm initiierte "Weltbürgerbewegung", der sich in kürzester Zeit Hunderttausende anschlossen, erzeugte einen so starken zivilgesellschaftlichen Druck, dass die UN-Delegierten gar nicht anders konnten, als die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" am 10.12.1948 zu verabschieden. Regisseur Arthur Kanegis (USA) wird bei der europäischen Erstaufführung seines Films anwesend sein und mit Philipp Möller ("Isch geh Schulhof") über Davis und die Weltbürgerbewegung sprechen.

Die "Säkulare Woche der Menschenrechte" endet am Sonntagmorgen (18.11.) mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion im Palisa zur Frage "Wie sieht der säkulare Staat der Zukunft aus?" Der Vorsitzende des Koordinierungsrates säkularer Organisationen (KORSO) Helmut Fink diskutiert über dieses Thema mit Ingrid Matthäus-Maier (ehemalige SPD-Spitzenpolitikerin und Juristin), dem Philosophen Michael Schmidt-Salomon (gbs), dem Rechtsanwalt Thomas Heinrichs (HVD) sowie mit Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Politik. Bereits am Vortag veranstaltet der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) hierzu einen eigenen Workshop, der sich der Frage stellt, wie die weltanschauliche Neutralität des Staates besser verwirklicht werden kann und welche Wege die KORSO-Mitgliedsverbände dabei beschreiten. (Achtung: Die Teilnahme an diesem internen Workshop ist nur bei vorheriger Anmeldung möglich.)
 

Weitere Informationen

Die "Säkulare Woche der Menschenrechte" wird organisiert von der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) in Kooperation mit dem Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO), den Evolutionären Humanisten Berlin-Brandenburg (EHBB), der Richard Dawkins Foundation (RDF Germany) und der Säkularen Flüchtlingshilfe ("Atheist Refugee Relief"). Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei. Ausnahmen sind die Diskussionsveranstaltung mit Richard Dawkins und Michael Shermer in der Urania Berlin (€ 24,00 / erm. € 21,70) sowie die beiden Filmvorführungen in den Hackeschen Höfen (€ 9,00 / € 10,00). Weitere Informationen zur Säkularen Woche der Menschenrechte gibt es auf der Website www.saekulare-woche.de.