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10 Fragen und Antworten

3. Verwechselt die gbs nicht Religion mit Fundamentalismus?

Wir differenzieren sehr wohl zwischen fundamentalistischen und aufgeklärten Gläubigen. So wie es Limonade ohne Zucker gibt, gibt es dank der Aufklärung, die unbestritten weite Teile der akademischen Theologie erfasste, mittlerweile auch ein Christentum ohne Hölle und Teufel. Solche aufklärerisch gezähmten „Light-Versionen des Glaubens“ sind zwar durchaus sympathisch, jedoch logisch nicht konsistent. („Jesu Erlösungstat ist ohne Voraussetzung von Hölle und Teufel in etwa so sinnlos wie ein Elfmeterschießen ohne gegnerische Mannschaft!“) Ohne ein wirksames metaphysisches Bedrohungsszenario entbehrt der religiöse Glaube seiner eigentlichen Pointe, was wohl der Grund dafür ist, dass gerade liberale Glaubensgemeinschaften schrumpfen, während fundamentalistische Gruppen ähnlich stark anwachsen wie die Gruppe derer, die sich überhaupt nicht mehr religiös definieren.

Man mag es bedauern, dass der „aufgeklärte Glaube“ zunehmend seine Vermittlungsfunktion zwischen konsequenter Aufklärung und religiösem Dogmatismus verliert, ignorieren sollte man dieses Faktum jedoch nicht. Der Grund für den Bedeutungsverlust des aufgeklärten Glaubens liegt auf der Hand: Nie zuvor war die prinzipielle Unvereinbarkeit von wissenschaftlichem Wissen und religiösem Glauben so offensichtlich wie in unseren Tagen. (So muss man evolutionstheoretische Erkenntnisse zumindest partiell ausblenden, um den Glauben an den christlichen oder muslimischen Schöpfergott aufrechterhalten zu können.) Damit schwindet der Nährboden für das Projekt des aufgeklärten Glaubens, dessen Wirkungsgrad ohnehin nicht überschätzt werden sollte. Denn es handelt(e) sich dabei nur um eine zeitlich begrenzte und zudem auch noch weitgehend auf Westeuropa beschränkte Kulturerscheinung, die keineswegs typisch ist für das, was weltweit unter dem Begriff „Religion“ verstanden wurde und wird.


4. Ist die gbs „wissenschaftsfundamentalistisch“?

Der von den Verteidigern des Glaubens immer wieder erhobene Vorwurf des „Wissenschaftsfundamentalismus“ ist ein Widerspruch in sich. Denn Wissenschaft ist im Unterschied zur Religion per definitionem ergebnisoffen. Als Methodik des kritischen Zweifelns beruht sie weder auf „unantastbaren, ewigen Wahrheiten“, noch hat sie das Bestreben, solche „unerschütterliche Wahrheiten“ zu vermitteln. Falls also tatsächlich jemand dogmatisch an spezifische Ergebnisse des wissenschaftlichen Forschungsprozesses glauben sollte, so würde er allein dadurch die Grundprinzipien des wissenschaftlichen Denkens verraten.

Davon abgesehen vertritt die gbs keineswegs die Position, dass sich auf Wissenschaft alleine eine Alternative zur Religion begründen ließe. Nicht ohne Grund lautet ein zentrales Motto der Stiftung „Wer Wissenschaft, Philosophie und Kunst besitzt, braucht keine Religion.“ Es sollte klar sein, dass sich viele bedeutsame Fragen des Lebens nicht mit wissenschaftlichen Methoden beantworten lassen. Dies verlangt jedoch keineswegs, dass deshalb Religionen die Deutungshoheit haben. Philosophische Überlegungen kommen etwa auf ethischem Gebiet zu weit überzeugenderen Ergebnissen. Und selbst dort, wo die klügsten Argumente der Philosophie versagen, ist Religion nicht vonnöten. Denn hier liegt das Hoheitsgebiet der Kunst, die jenen „poetischen Überschuss des Lebens“ einzufangen vermag, der sich jeder wissenschaftlichen wie philosophischen Analyse entzieht.