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10 Fragen und Antworten

5. Ist die gbs im Grunde nicht genauso missionarisch wie die Religionen? Zeigt das Buch „Wo bitte geht’s zu Gott?“ nicht deutlich, dass auch die gbs Kinder indoktrinieren will?

Selbstverständlich hat auch die gbs das Ziel, Menschen zu erreichen. Sie möchte sie davon überzeugen, dass es vernünftig ist, die Werte von Humanismus und Aufklärung in der Gesellschaft zu stärken. Allerdings geht die Stiftung im Unterschied etwa zum Papst nicht davon aus, im Besitz der „allein selig machenden Wahrheit“ zu sein. Vielmehr stellt sie sich konsequent dem „Prinzip der kritischen Prüfung“, das verlangt, fehlerhafte Überzeugungen aufzugeben, sobald bessere Argumente vorliegen. Das Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ wurde konzipiert als „Gegengift“ zur real stattfindenden religiösen Indoktrination (beispielsweise in katholischen Kindergärten) und sollte etwas weltanschauliche Pluralität in die Kinderzimmer bringen. In zahlreichen Interviews machten die Verfasser dabei unmissverständlich klar, dass sie das Buch sofort vom Markt nehmen würden, sofern dies auch mit den Kinderbibeln geschehen würde, in denen Schauermärchen wie die Geschichte von der Sintflut in allen schrecklichen Details ausgemalt werden. Zu diesem Schritt konnte sich die religiöse Fraktion allerdings nicht durchringen. Und so ist das kleine Ferkel weiterhin unterwegs, um Kindern auf humorvolle Weise die Angst vor göttlicher Bestrafung zu nehmen…

6. Sollte man nicht Respekt vor den Glaubensüberzeugungen anderer haben?

Als Humanisten respektieren wir selbstverständlich jeden Menschen als Menschen. Doch manche Überzeugungen und Handlungen haben keinen Respekt, keine Wertschätzung, verdient. Wir dürfen nicht übersehen, dass die Glaubensüberzeugungen vieler tiefreligiöser Personen menschenverachtende Praktiken legitimieren (etwa die Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen) und /oder auf unsinnigen, längst widerlegten Annahmen über die Welt beruhen (etwa der Vorstellung, die Menschheit sei das intendierte Ziel einer planvollen „Schöpfung“, was den Erkenntnissen der Evolutionsbiologie diametral widerspricht). Solch inhumane oder unsinnige Überzeugungen zu respektieren, käme einem Verrat an den Idealen von Humanismus und Aufklärung gleich.

7. Sind die Religionen nicht doch notwendig für die Wertebildung?

Es ist eine historisch unumstößliche Tatsache, dass die fundamentalen Rechte, die wir in modernen Rechtsstaaten genießen, überwiegend nicht den Religionen entstammen, sondern in einem erbitterten Emanzipationskampf gegen die Machtansprüche der Religionen durchgesetzt werden mussten. Viele Werte wie etwa Rationalität, individuelle Selbstbestimmung oder Demokratie, die uns heute selbstverständlich erscheinen, wurden bereits im antiken Griechenland und Rom entwickelt, verschwanden aber mit der Machtübernahme des Christentums fast ein Jahrtausend von der Bildfläche. Es bedurfte schon der Renaissance, einer Zeit, in der die antiken Schriften wieder entdeckt wurden, damit sich in Europa langsam wieder die Idee der individuellen Freiheit entfalten konnte.

Auch in der Neuzeit waren es vorwiegend religionskritische Menschen, die die Werteentwicklung (etwa die Gleichberechtigung der Geschlechter, die Idee der sozialen Gerechtigkeit, die Gewährung von Meinungs- und Pressefreiheit, die Anerkennung sexueller Selbstbestimmungsrechte etc.) voranbrachten. Die Idee der Menschenrechte beispielsweise wurde maßgeblich von dem Religionskritiker Thomas Paine forciert, während eine ganze Reihe von Päpsten dies als „unerträgliche Anmaßung“ verdammte. Erst 1961 konnte sich Papst Johannes XXIII. zu einer gewundenen Anerkennung der Menschenrechte durchringen, jedoch hat der Vatikan als einziger Staat in Europa (neben Weißrussland) die „Europäische Menschenrechtskonvention“ bis heute nicht ratifiziert. Nur ein Beispiel unter vielen, das zeigt, dass die Rede von den „christlichen Werten“ einer genaueren Betrachtung nicht standhält.