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Newsletter vom 21.3.2023


Vom Paulus zum Saulus

Gedenkfeier für Herbert Steffen am 23. April in Oberwesel

gbs-Gründer Herbert Steffen wollte keine Trauerveranstaltung kurz nach seinem Tod, stattdessen wünschte er sich eine Feier seines Lebens zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die erste Trauerphase überwunden ist. Die Giordano-Bruno-Stiftung möchte diesen letzten Wunsch nun erfüllen: Zur "Gedenkfeier für Herbert Steffen" am 23. April werden wichtige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter des Mannes anreisen, dessen "langer Weg vom Paulus zum Saulus" viele inspiriert hat.

In seinen Lebenserinnerungen schrieb Herbert Steffen: "Ich habe es nie bereut, die Giordano-Bruno-Stiftung gegründet zu haben. Im Gegenteil: Es war die beste Entscheidung meines Lebens! Denn durch die Stiftung habe ich so viel Neues erfahren und so viele hochinteressante Menschen kennengelernt, die ich ansonsten niemals getroffen hätte." Einige dieser für Herbert Steffen so wichtig gewordenen Menschen werden auch das Programm der Gedenkfeier gestalten.

Die Gedenkfeier im Haus Weitblick (Auf Fasel 16, 55430 Oberwesel) am Sonntag, dem 23. April 2023, wird um 12:30 Uhr mit einem Sektempfang beginnen. Das Programm startet um 13.00 Uhr, gegen 15.00 Uhr sind die Gäste zu einem kalten Buffet mit Getränken eingeladen. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, eine vorherige Anmeldung wegen der Sitzplatzbegrenzung jedoch dringend erforderlich!

Informationen zur Gedenkveranstaltung finden Sie hier...


»Wer die Verfassung nicht versteht, gehört nicht in den Bundestag!«

Parlamentarier wegen »groben Fouls am demokratischen Rechtsstaat« verwarnt

140 amtierende Bundestagsabgeordnete haben 2015 für den verfassungswidrigen § 217 StGB gestimmt, der von 2015 bis 2020 professionelle Freitodbegleitungen in Deutschland untersagte. Mit Blick auf die anstehende Neuregelung der Suizidassistenz wurde den betroffenen MdBs nun eine "gelbe Karte" zugestellt, um sie an ihr damaliges Foul am demokratischen Rechtsstaat zu erinnern und sie davor zu bewahren, den gleichen Fehler noch einmal zu begehen.

In dem Anschreiben an die 140 mit einer gelben Karte verwarnten Bundestagsabgeordneten heißt es dazu: "Sie haben 2015 für den verfassungswidrigen § 217 StGB gestimmt und möglicherweise erwägen Sie nun abermals, das Recht auf Selbstbestimmung am Lebensende in gravierender Weise einzuschränken. Deshalb erinnern wir Sie mit der beigefügten gelben Karte daran, dass Sie 2015 ein grobes Foul am demokratischen Rechtsstaat begangen haben, für das Sie am 26. Februar 2020 vom Bundesverfassungsgericht eindringlich verwarnt wurden. Einmal kann ein solches Malheur passieren. Wer aber zweimal den gleichen Fehler begeht, legt eine Form von Ignoranz gegenüber Grundrechten und Justiz an den Tag, die mit den Spielregeln einer Demokratie schwerlich in Einklang zu bringen ist!"

Begleitend zu dem Brief hat die Kampagne, die von der Giordano-Bruno-Stiftung, der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben, DIGNITAS-Deutschland und dem Verein Sterbehilfe getragen wird, die Namen aller 140 Bundestagsabgeordneten veröffentlicht, die 2015 für den verfassungswidrigen § 217 StGB gestimmt haben und somit mit einer gelben Karte verwarnt sind. Bürgerinnen und Bürger haben so die Möglichkeit, sich direkt an die entsprechenden Personen zu wenden.

Infos zur Kampagne sowie Bilder von der Aktion finden Sie auf der gbs-Website...

Lesen Sie zu diesem Thema auch die von Florian Chefai für das Hans-Albert-Institut formulierte Stellungnahme "Den letzten Weg selbst bestimmen", die Leitlinien für die Neuregelung der Suizidassistenz erörtert...


Verfassungswidrige Staatsleistungen in Rekordhöhe

Erstmals erhalten die Kirchen mehr als 600 Millionen Euro vom Staat

Johann-Albrecht Haupt (Humanistische Union / ifw) hat die Zahlen für die von 14 Bundesländern gezahlten Staatsleistungen an die Kirchen für 2023 vorgelegt, siehe hierzu das entsprechende fowid-Datenblatt. Die Gesamtsumme der Zahlungen beläuft sich demnach auf 602 Mio. Euro (602.244.200). Gegenüber dem Vorjahr (594 Mio. Euro) bedeutet dies einen Anstieg um 1,3 Prozent. Damit beläuft sich die Gesamtsumme der Staatsleistungen in Deutschland seit 1949 (ohne die Zahlungen in der DDR und den Baulastverpflichtungen) auf 20,8 Mrd. Euro (20.757.995).

Wie absurd diese Zahlungen sind, die laut Verfassung schon seit mehr als 100 Jahren abgelöst sein sollten, verdeutlicht ein Aufsatz von Rolf Schwanitz (Staatsminister a.D. und ifw-Beirat), der auf der Website des Instituts für Weltanschauungsrecht (ifw) veröffentlicht wurde. Nach einer erhellenden Darstellung der geschichtlichen Hintergründe kommt Schwanitz zu dem Ergebnis, dass es "weder vermittelbar noch gerechtfertigt" sei, "diesem milliardenschweren einhundertjährigen Geldregen weitere Entschädigungszahlungen folgen zu lassen. Alle vorstellbaren Ausgleichsansprüche sind dadurch bereits abgegolten."


Kurz notiert

Keine 5,8 Mio. Euro für den Kirchentag 2027: Der Düsseldorfer Löwe verbrennt 5,8 Millionen für die Bezuschussung des Evangelischen Kirchentags 2027. Mit der Skulptur des Wagenbauers Jacques Tilly hat der Düsseldorfer Rosenmontagszug ein Thema aufgegriffen, das die Landeshauptstadt schon seit Monaten beschäftigt. Denn die öffentliche Finanzierung des Kirchentags rechnet sich für die Stadt weder ökonomisch, noch ist sie politisch angemessen, da die Mehrheit der Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger konfessionsfrei ist. Tatsächlich gehören nur noch 15 Prozent der Stadtbevölkerung der evangelischen Kirche an. Zudem stehen dem geplanten Zuschuss von 5,8 Millionen Euro deutlich geringere Steuermehreinnahmen in Höhe von 1,8 Millionen Euro gegenüber. Der Düsseldorfer Aufklärungsdienst (DA!), eine der aktivsten Regionalgruppen der Giordano-Bruno-Stiftung, hat deshalb ein Bürgerbegehren gestartet, das die unverhältnismäßig hohe Bezuschussung des protestantischen Glaubensfestes verhindern will.

Copernicus-Symposium (24.-26. März) in Nürnberg: Wo ist unser Platz im Universum und was wissen wir über den Kosmos, wo steht der Mensch im Verhältnis zu seinen Mitlebewesen und gibt es eine Entwicklung über die natürliche Evolution hinaus in einen Transhumanismus? Und schließlich, was wissen wir mehr als hundert Jahre nach Freud über Bewusstsein, Geist und die Tätigkeiten unseres Gehirns? Das Copernicus-Symposium will grundlegende Themen der Wissenschaft in einem interdisziplinären Ansatz aufgreifen und für ein breites Publikum verständlich darstellen. Es ist daher bewusst nicht als Fachtagung für Experten konzipiert, sondern als ein Ort für Neugierige und Interessierte, die sich hier einen Überblick über die verschiedenen Themenaspekte verschaffen wollen. Die Giordano-Bruno-Stiftung fördert das Symposium im Rahmen ihres diesjährigen Schwerpunktthemas "100 Jahre evolutionärer Humanismus". Weitere Infos dazu auf der Kortizes-Website...


Empfehlenswerte Literatur

Thomas Metzinger: Bewusstseinskultur. Spiritualität, intellektuelle Redlichkeit und die planetare Krise. Berlin/München 2023. Bücher über "Spiritualität" verströmen oft einen kitschig-klebrigen, rosaroten Optimismus. Das wird man dem neuen Buch von gbs-Beirat Thomas Metzinger schwerlich vorwerfen können. Gleich zu Beginn stellt er fest, dass wir uns "ehrlich machen" müssen und Optimismus angesichts der planetaren Krise keine Option mehr ist. Die Klimakatastrophe werde kaum zu verhindern sein, aber wir könnten sehr wohl das "Richtige tun, einfach weil es das Richtige ist" und dadurch unsere "Selbstachtung" zurückgewinnen. Ausgehend von Krishnamurtis Feststellung, "dass die einzige Spiritualität die Unbestechlichkeit des Selbst ist", plädiert der Philosoph für eine "säkulare Spiritualität", in deren Zentrum die "Tugend der intellektuellen Redlichkeit" steht (hier zeigt Metzinger auch eine interessante Parallele zur Philosophie des Kritischen Rationalismus auf). Ein wichtiges, tiefschürfendes Buch zu einem zentralen Thema unserer Zeit. (Verlags-Website zum Buch...)

Franz Josef Wetz: Tod, Trauer, Trost. Was am Ende hilft. Stuttgart 2022. "Der Tod ist ein existenzielles Problem, das sich nicht lösen, sondern bestenfalls - wie eine chronische Erkrankung - behandeln lässt", schreibt gbs-Beirat Franz Josef Wetz in seinem aktuellen Buch. Weder religiöse noch säkulare Rezepte seien in der Lage, die Angst vor dem Tod, die mit dem biologischen Mechanismus der Selbsterhaltung einhergeht, gänzlich zu überwinden. Doch es gebe ein breites Spektrum an tröstlichen Angeboten, die helfen, den existenziellen Schrecken abzumildern. Dabei sei es, so Wetz, oftmals besser, die Dinge im Vagen zu belassen, statt ihnen auf den Grund zu gehen - was zeigt, dass wir die an sich so wertvolle "Tugend der intellektuellen Redlichkeit" (siehe vorangegangene Rezension) nicht zum Dogma erheben sollten. Ein menschlich warmes, über weite Strecken literarisch anmutendes, kleines Sachbuch, das allein schon dadurch Trost spendet, dass es uns bewusst macht, wie menschlich es ist, den Tod nicht völlig in den Griff zu bekommen. (Verlags-Website zum Buch...)

Christoph Antweiler: Heimat Mensch. Eine populäre Ethnologie. Erweiterte Neuauflage. Aschaffenburg 2022. Die Erstausgabe dieses herausragenden Werks ist bereits 2009 erschienen. Für die Neuauflage hat gbs-Beirat Christoph Antweiler das Buch aktualisiert und stark erweitert. Neu hinzugekommen sind Kapitel über Religion, den Menschen im Anthropozän sowie über das Abenteuer, das mit dem Schreiben des Buchs verbunden war. Zudem findet man im Anhang des Buchs nun einen Glossar sowie ("aus aktuellem Anlass") ein kurzes Plädoyer für eine "menschlichere Diskussionskultur", in dem der erfahrene Ethnologe u.a. aufzeigt, dass "kultureller Austausch" nicht mit "kultureller Aneignung" verwechselt werden darf. Eine im besten Sinne "populäre Ethnologie", die ebenso sachkundig wie unterhaltsam die Einheit und Vielfalt menschlicher Kultur(en) verdeutlicht. Unbedingt empfehlenswert! (Verlags-Website zum Buch...)

Lukas Kiemele: Ich, die Welt und der Sinn von allem. Ein Kompass in wirren Zeiten. Ostfildern 2022. Sollen wir nach dem "Sinn des Lebens" suchen oder bloß nach dem "Sinn in unserem Leben"? Wie Lukas Kiemele (Stipendiat des Bertha von Suttner-Studienwerks) in seinem Buch aufzeigt, finden wir bereits in der griechischen Antike beide Denktraditionen: Während Platoniker, Aristoteliker und Stoiker sich auf etwas "Jenseitiges" beriefen, um den "großen Sinn von allem" zu ergründen, konzentrierten sich die Epikureer (die von einem sinnleeren, von Zufall und Notwendigkeit bestimmten Kosmos ausgingen) auf das individuelle Leben im Diesseits. Anders als der Titel vielleicht suggeriert, ist Kiemeles Buch "kein Ratgeber in Sachen Sinnsuche", es bietet vielmehr einen interessanten Streifzug durch die Geschichte der Philosophie, der die "moderne Sinnkrise" prägnant herausarbeitet und ihre Lösung schließlich in der Wiederbelebung der "humanistischen Idee" findet. Lesenswert! (Verlags-Website zum Buch...)

Leo Tolstoi: Das Reich Gottes ist in euch. Mit einem Nachwort von Ulrich Klemm. Aschaffenburg 2023. Der Alibri-Verlag hat verdienstvollerweise bereits die beiden Grundlagenwerke von Piotr Kropotkin ("Gegenseitige Hilfe in der Tier-und Menschenwelt" sowie "Ethik - Ursprung und Entwicklung der Sitten") herausgebracht, mit Tolstois "Das Reich Gottes ist in euch" folgt nun die nächste Neuauflage eines Klassikers des anarchistischen Denkens. Im Unterschied zu Kropotkin, der von Darwins Evolutionstheorie ausging, verstand sich Tolstoi als "Christ", meinte damit aber das glatte Gegenteil von dem, was die Kirchen seiner Zeit lehrten (und größtenteils bis heute lehren). Denn für Tolstoi befindet sich "das Göttliche", wie Ulrich Klemm im Nachwort betont, "im Menschen" - nicht außerhalb, etwa "im Himmel" oder "im Jenseits". Hieraus leitet sich eine Ethik des radikalen Gewaltverzichts und der Nächstenliebe ab, die sich staatlichen und kirchlichen Autoritäten verweigert (was u.a. großen Einfluss auf das Denken Mahatma Gandhis hatte). Wer wissen will, welche Weltanschauung der Schöpfer der literarischen Meisterwerke "Krieg und Frieden" und "Anna Karenina" vertrat, sollte zugreifen! (Verlags-Website zum Buch...)

Christian Casutt: Den Bischof zahlt der Staat. Über die Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen. Aschaffenburg 2022. Die längst überfällige Ablösung der historischen Staatsleistungen an die Kirchen ist ein Dauerbrenner in der säkularen Szene (siehe hierzu die obige Meldung ("Verfassungswidrige Staatsleistungen in Rekordhöhe"). Christian Casutt hat hierzu eine bemerkenswerte Untersuchung vorgelegt, die insbesondere am Beispiel des kirchenfreundlichen Bundeslandes Rheinland-Pfalz aufzeigt, wie die staatliche Bezuschussung der Kirchen im Detail aussieht - und weshalb diese Privilegien trotz des anderslautenden Verfassungsauftrags weiterhin fortbestehen. Es handelt sich dabei, wie Casutt schreibt, um einen "Skandal, der sicherlich nicht so spektakulär ist wie andere Skandale, in die die Kirchen verwickelt sind, aber spektakulär genug, um über deren Rolle im säkularen Verfassungsstaat gründlich und grundsätzlich nachzudenken." (Verlags-Website zum Buch...)

Franziska Becker: Amerika - The Beautiful. 25 Jahre unter Eingeborenen. Aschaffenburg 2022. Für ihr karikaturistisches Schaffen wurde Franziska Becker vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Max-und-Moritz-Preis, dem Göttiner Elch und dem Wilhelm-Busch-Preis. Mit "Amerika - The Beautiful" legt sie ein beeindruckendes neues Werk über ihr zweites Heimatand USA vor, in dem "Konsum erste Bürgerpflicht ist und Fußgänger als verdächtige Subjekte schon mal von der Polizei angehalten werden". Ein prachtvoller, großformatiger Bildband mit wunderbaren Zeichnungen und klugen Kommentaren, der "God's own Nation" sowohl respektlos als auch liebevoll portraitiert, dabei "garantiert ganz und gar un-woke" ist und ein wahres Schmuckstück in jedem Buchregal darstellt. (Verlags-Website zum Buch...)


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