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Newsletter vom 26.04.2016

Der Mut zum aufrechten Gang: Raif Badawi und Ensaf Haidar wurden in Frankfurt mit dem Deschner-Preis der Giordano-Bruno-Stiftung ausgezeichnet +++ "Säkulare Positionen gewinnen zunehmend an Bedeutung": gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon über Veränderungen im linksliberalen Spektrum +++ Evolution macht Schule: Evokids-Lehrmaterialien stoßen auf große Resonanz +++ Kurz notiert: Die Merkel-Erdogan-Böhmermann-Affäre / Fernseh-Interview mit Hamed Abdel-Samad / "Pluralität ist eine Stärke – keine Schwäche" / Wohnprojekt der gbs-Hochschulgruppe Berlin +++ Lesenswert: Neue Bücher über Karl den (vermeintlich) Großen, Luthers Antisemitismus, das Gender-Paradoxon und die Freiheit, den Koran zu kritisieren +++ Die nächsten Termine

Der Mut zum aufrechten Gang: Raif Badawi und Ensaf Haidar wurden in Frankfurt mit dem Deschner-Preis der Giordano-Bruno-Stiftung ausgezeichnet

Der in Saudi-Arabien zu 10 Jahren Haft und 1000 Stockhieben verurteilte Blogger Raif Badawi und seine Frau, die Menschenrechtsaktivistin Ensaf Haidar, wurden am vergangenen Samstag im Rahmen eines bewegenden Festakts in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt mit dem Deschner-Preis der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) ausgezeichnet. Badawi und Haidar erhielten den mit 10.000 Euro dotierten Preis für ihren "gemeinsamen, mutigen und aufopferungsvollen Einsatz für Säkularismus, Liberalismus und Menschenrechte".

In seinem Eröffnungsstatement sagte gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon, der Festakt sei eine "Protestveranstaltung gegen das barbarische Unrecht", das Badawi in Saudi-Arabien widerfahren sei, aber auch eine "Feier des freien Geistes, der sich selbst unter grausamsten, diktatorischsten Verhältnissen nicht gänzlich unterdrücken lässt". Raif Badawi und Ensaf Haidar haben, so Schmidt-Salomon, den "Mut zum aufrechten Gang" in eindrucksvoller Weise bewiesen und seien so zu "Vorbildern für Männer und Frauen weltweit geworden, die sich mit totalitärer Politik, religiöser Bevormundung und patriarchalen Rollenmodellen nicht länger abfinden wollen".

Hamed-Abdel-Samad erläuterte in seiner Laudatio, wie groß die Bedeutung von Raif Badawi und Ensaf Haidar für die säkulare Bewegung in den arabischen Ländern ist. Badawi und Haidar seien zu Symbolfiguren des Widerstands gegen den politischen Islam geworden, nicht zuletzt durch ihre ethische und politische Standfestigkeit. So sei Raif Badawi dem Vorschlag eines "bedeutenden europäischen Politikers" nicht gefolgt, der ihm nahegelegt hatte, sich für sein Eintreten für Freiheit und Menschenrechte zu "entschuldigen", um so die Chance zu erhöhen, früher entlassen zu werden.

Einen ausführlichen Bericht über die Preisverleihung, die nicht nur für die aus Kanada angereiste Preisträgerin Ensaf Haidar sehr bewegend war, finden Sie unter:
/meldung/festakt-badawi-haidar

Das Video zum Festakt:
https://www.youtube.com/watch?v=7UZNt31Fzpc

"Säkulare Positionen gewinnen zunehmend an Bedeutung": gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon über Veränderungen im linksliberalen Spektrum

"Es ist keineswegs progressiv, reaktionäre Normen zu verteidigen, bloß weil sie von Minderheiten vertreten werden": Lange Zeit wollte in linksliberalen Kreisen kaum jemand wahrhaben, wie stark autoritäre, antisemitische, frauenverachtende oder homophobe Normen in bestimmten muslimischen Communities verankert sind – aber das scheint sich nun zu ändern, meint gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon, der in diesem hpd-Gespräch seine Eindrücke vom letzten taz.lab (Großveranstaltung der linksliberalen "tageszeitung") sowie von einem Treffen mit dem Bundesvorstand der Grünen (u.a. mit Cem Özdemir) schildert:
http://hpd.de/artikel/saekulare-positionen-gewinnen-zunehmend-an-bedeutung-12978?nopaging=1

Evolution macht Schule: Evokids-Lehrmaterialien stoßen auf große Resonanz

Düsseldorf machte den Anfang: Vor wenigen Wochen erhielten alle 100 Grund- und Förderschulen der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt den Film "Big Family" sowie das gleichnamige Buch aus der Evokids-Lehrstoffsammlung. Stadtdirektor Burkhard Hintzsche zeigte sich bei der Übergabe der Materialien in der Düsseldorfer Theodor-Heuss-Schule von dem Projekt begeistert: "Die Evolutionstheorie ist eine wichtige Grundlage eines modernen Weltbildes. Wenn man davon ausgeht, dass Nationen, Völker und Religionen alle denselben Ursprung haben, führt das zu der Erkenntnis, dass die Menschen untereinander sehr viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben. Ich finde, diese Idee stellt eine wunderbare niedrigschwellige Basis für Integration und Miteinander her, und halte sie aus diesem Grund für absolut unterstützenswert."

Die Westdeutsche Zeitung (WZ), die in ihrer Printausgabe über die Evokids-Veranstaltung in nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt berichtete, startete eine Online-Umfrage zu der Frage "Wollen Sie, dass Evolutionslehre schon in der Grundschule vermittelt wird?", bei der 97 Prozent der Leserinnen und Leser meinten: "Ja, Dritt- und Viertklässler sind in der Lage, die Grundlagen zu verstehen". Nur 3 Prozent entschieden sich für die gegenteilige Option: "Nein, das ist überflüssig und Stoff für weiterführende Schulen".

"Natürlich sind solche Onlineumfragen nicht repräsentativ", erklärte dazu Michael Schmidt-Salomon im Namen der Evokids-Verantwortlichen. "Aber das deutliche Ergebnis spiegelt recht gut die Reaktionen wieder, die wir auf das Evokids-Unterrichtsmaterial bisher erhalten haben. Auch auf der Didacta in Köln stießen wir auf unerwartet positive Resonanz. Als besonders bemerkenswert empfand ich dabei, dass sich neben Sachkunde-Lehrerinnen und Lehrer vor allem auch Religionslehrerinnen und -lehrer für unser Unterrichtsmaterial interessierten."

Inzwischen haben 200 weitere Schulen aus dem gesamten Bundesgebiet "Evokids-Boxen" mit zusätzlichen Materialien für den Evolutionsunterricht erhalten. Ursprünglich hatte das Evokids-Team geplant, nur 50 Boxen zu versenden, aufgrund der starken Nachfrage wurde das Kontingent auf 200 Kisten erhöht. "Wir haben das Anmeldeformular schließen müssen, sonst wären noch sehr viel mehr Bestellungen bei uns eingegangen", erklärte gbs-Geschäftsführerin Elke Held. "Mehr als 200 Kisten können wir angesichts der vielen anderen Aktivitäten der Stiftung nicht bereitstellen. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, sämtliche digitale Inhalte der Box auf der Evokids-Website bereitzustellen."

Erfahren Sie mehr unter:
http://evokids.de/content/duesseldorf-evolution-macht-schule
http://evokids.de/content/versand-evokids-boxen-hat-begonnen

Kurz notiert

Die Merkel-Erdogan-Böhmermann-Affäre: "Wer hat Böhmermann verraten? Christdemokraten!" Michael Schmidt-Salomon hat die Entscheidung der Bundesregierung, eine Strafverfolgung gegen Jan Böhmermann auf der Basis von §103 StGB zuzulassen, als "Kniefall vor einem Despoten" kritisiert, der "in seinem eigenen Land den überkommenen Straftatbestand der Majestätsbeleidigung nutzt, um politische Gegner auszuschalten."
/meldung/boehmermann-strafverfolgung

Fernseh-Interview mit Hamed Abdel-Samad: In einem 45-minütigen 3Sat-Gespräch mit Peter Voß hatte Hamed Abdel-Samad vor wenigen Wochen die Gelegenheit, seine Argumente etwas grundlegender zu entfalten, als dies in TV-Formaten gewöhnlich möglich ist. Die Sendung mit dem Titel "Mohammed - Ende eines Tabus?" ist nun auch via Youtube verfügbar:
https://www.youtube.com/watch?v=iijvngyRi4A

"Pluralität ist eine Stärke – keine Schwäche": In den letzten Jahren erreichten den gbs-Vorstand immer wieder Schreiben von Journalisten, Politikern und gbs-Mitgliedern, die Aussagen oder Handlungen einzelner gbs-Beiräte scharf kritisierten und deren Ausschluss aus der Stiftung forderten. Da derartige Beschwerden in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 (und auch 2016) gehäuft auftraten, verfasste der Vorstand eine Stellungnahme, die die Leitlinien der Stiftungspolitik erklärt. Tenor: "Die Giordano-Bruno-Stiftung ist und bleibt eine ‚freie Assoziation‘ von Querdenkern und Querdenkerinnen, bei der es keine ‚Inquisition‘, keinen ‚Fraktionszwang‘ und auch keine ‚Sippenhaft‘ gibt."
/leitbild/pluralitaet

Wohnprojekt der gbs-Hochschulgruppe Berlin: Vor einem Jahr gründete sich die gbs-Hochschulgruppe Berlin, die Säkularen Humanisten, die seither zahlreiche Diskussionsrunden, Vorträge und Lehrveranstaltungen an der Humboldt-Universität durchgeführt hat. Da es eine organisatorische Herausforderung ist, eine wachsende Gruppe von Menschen regelmäßig an einem Ort zusammenzubringen, entstand die Idee eines evolutionär-humanistischen Wohnprojekts. Geplant ist dabei, ein Haus zu erwerben, das als "religionsfreie Zone” und Basis der Aktivitäten dient. Die Finanzierung des Projekts stellt noch eine Hürde dar, denn trotz eines nachhaltigen Finanzierungskonzepts ist die Bonität des Teams, das überwiegend aus Studierenden besteht, aus Sicht der Banken eingeschränkt. Die Säkularen Humanisten Berlins suchen daher nach Unterstützern, die durch einen Direktkredit oder eine Investition als Mit-Kreditnehmer sicherstellen, dass das Projekt Realität werden kann. Nähere Informationen zu dem Wohnprojekt, das auch beim gbs-Vorstand auf positive Resonanz gestoßen ist, findet man auf dieser Website, E-Mail-Kontakt zur Projektgruppe: info@shbh-gbs.de.

Lesenswert: Neue Bücher über Karl den (vermeintlich) Großen, Luthers Antisemitismus, das Gender-Paradoxon und die Freiheit, den Koran zu kritisieren

Rolf Bergmeier: Karl der Große. Die Korrektur eines Mythos. Tectum 2016.
Nach "Kaiser Konstantin und die wilden Jahren des Christentums", "Schatten über Europa" und "Christlich-abendländische Kultur. Eine Legende" legt gbs-Beirat Rolf Bergmeier seine vierte große historische Studie vor. Dieses Mal zertrümmert er den Mythos Karls des vermeintlich Großen, der als Vermittler antiker Kultur und Gelehrsamkeit gepriesen wird, obwohl er keine einzige öffentliche Schule gegründet, kein einziges Theater eröffnet, keine einzige öffentliche Bibliothek finanziert hat. Bergmeier zeigt: Karl ließ Bildung und Kultur, Wirtschaft und Recht weiter verkümmern. Stattdessen führte er ein Leben lang Krieg und metzelte jeden nieder, der sich nicht zum Christentum bekehrte. Fazit: In der Riege der großen und kleinen Geister der Menschheitsgeschichte kann man den vielgerühmten "Vater Europas" getrost der zweiten Kategorie zuordnen.
Zum Buch erschien auf hpd.de ein aufschlussreiches Interview mit dem Autor:
http://hpd.de/artikel/scharia-karls-des-grossen-12924?nopaging=1

Martin Luther: Von den Juden und ihren Lügen. Herausgegeben und erläutert von Karl-Heinz Büchner, Bernd P. Kammermeier, Reinhold Schlotz und Robert Zwilling. Alibri 2016.
Für den evangelischen Landesbischof von Thüringen, Martin Sasse, war er der "größte Antisemit seiner Zeit", der "Warner seines Volks wider die Juden". Bischof Sasse wertete es daher auch als gutes Omen, dass Martin Luthers "treuer Rat", die Synagogen zu verbrennen, ausgerechnet "an Luthers Geburtstag", nämlich am 10. November 1938, in die Tat umgesetzt wurde.
Dass Martin Luthers Einfluss auf den mörderischen Antisemitismus der Nationalsozialisten noch immer unterschätzt wird, ist wohl nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die maßgeblichen antijüdischen Schriften des Reformators für die Öffentlichkeit bislang schwer zugänglich waren. Karl-Heinz Büchner, Bernd P. Kammermeier, Reinhold Schlotz und Robert Zwilling (allesamt Mitglieder der gbs Rhein-Neckar) haben dieses Defizit behoben. In mühsamer, penibler Kleinarbeit übertrugen sie Luthers Text aus dem Frühneuhochdeutschen ins heutige Deutsch, so dass nun jede Leserin und jeder Leser nachvollziehen kann, auf welch unflätige, hasserfüllte Weise Luther seine brutalen Strafmaßnahmen gegen Juden (u.a. Zwangsunterbringung, Zwangsenteignung und Zwangsarbeit) begründete. Verdienstvollerweise enthält der Band neben der zeitgemäßen Version auch den Originaltext dieser politisch verheerenden, antisemitischen Hetzschrift, so dass sich die Qualität der Übertragung jederzeit überprüfen lässt. Ein Buch, das im Kontext des großen Luther-Jahres 2017 sicherlich für einigen Gesprächsstoff sorgen wird.
Das Buch bei denkladen.de:
http://www.denkladen.de/Kirchen-Religionskritik/Christentum/Luther-Von-den-Juden-und-ihren-Luegen::2382.html
Interview mit den Herausgebern:
http://hpd.de/artikel/wir-wollten-luther-selbst-sprechen-lassen-12859?nopaging=1

Ulrich Kutschera: Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. Lit Verlag 2016.
Ulrich Kutscheras aktuelles Buch lässt sich als Gegengift zu all jenen Gender-Theorien verstehen, die in der Nachfolge von John Money das biologische Geschlecht als rein soziale Konstruktion fehlinterpretieren. Der Terminus "Gift" ist dabei durchaus wörtlich gemeint, denn man spürt in nahezu jeder Zeile, wie sehr sich der Autor darüber empört, dass Gender-AutorInnen zentrale Erkenntnisse der biologischen Forschung ignorieren. Diese Erregtheit der Argumentation ist bedauerlich, denn Kutscheras Buch entfaltet gerade dort seine Stärken, wo er nüchtern über naturwissenschaftliche Fakten berichtet. Demgegenüber sind viele seiner Aussagen zu sozialwissenschaftlichen bzw. politischen Fragen äußerst kritisch zu betrachten und es ist angesichts der scharfen Formulierungen nicht verwunderlich, dass sie so heftige Gegenreaktionen hervorgerufen haben. Allerdings wäre es auch auf Seiten der Kritiker besser gewesen, Übererregtheiten zu vermeiden: Dass Ulrich Kutscheras Vortrag zum Thema "Evolution", mit dem die "Studium generale"-Veranstaltungsreihe an der Uni Marburg eröffnet werden sollte, wegen seiner kritischen Haltung zur Gender-Forschung Ende März abgesagt wurde, ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten (und dürfte Kutscheras Empörung über die Macht des "Gender-Kartells" nicht gerade gemindert haben).
Trotz der Kritik: Empfehlenswert ist die Lektüre von Kutscheras Buch allemal – selbst für diejenigen, die viele Schlussfolgerungen des Autors nicht teilen werden. Erstens, weil das Buch eine Reihe interessanter Informationen enthält, die so noch nicht dargelegt wurden, zweitens, weil der Text über weite Strecken durchaus amüsant zu lesen ist (sofern man seinen Puls einigermaßen unter Kontrolle hat), und drittens, weil Kutscheras hochdosierter, ungefilterter Scientismus die Leserinnen und Leser dazu drängt, sich selbst nicht nur in Bezug auf die konkreten Schlussfolgerungen, sondern auch in wissenschaftstheoretischer Hinsicht zu positionieren.
Die Verlags-Website zum Buch:
http://www.lit-verlag.de/isbn/3-643-13297-0
Zum Thema des Buchs empfehlen wir den Artikel von Thorsten Barnickel "Der religiöse (Anti-) Gender-Wahn", der darlegt, welche Sichtweise die gbs in der theoretisch widersprüchlichen und politisch hochgradig aufgeladenen Gender-Debatte favorisiert:
http://hpd.de/artikel/religioese-anti-gender-wahn-12802

Hamed Abdel-Samad/Mouhanad Khorchide: "Zur Freiheit gehört, den Koran zu kritisieren”. Ein Streitgespräch. Herder 2016.
Auf den ersten Blick wirken sie wie scharfe Antipoden: Hamed Abdel-Samad, der über den "islamischen Faschismus" schrieb, und Mouhanad Khorchide, der ein Buch über den "islamischen Humanismus" vorlegte. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die beiden Islamexperten sehr viel mehr verbindet als trennt. Denn beide treibt die Sorge über das Gewaltpotential des Islam an den Schreibtisch, beide setzen sich gegen muslimische Geistliche zur Wehr, die eine wortwörtliche Koranauslegung zur Grundlage der Politik im 21. Jahrhundert machen wollen, und beide werden für ihre liberalen, progressiven Aussagen von Islamisten an Leib und Leben bedroht. Der Unterschied zwischen den Diskutanten besteht darin, dass Hamed Abdel-Samad die Muslime von den Denkzwängen befreien möchte, die in Mohameds brisantem Erbe enthalten sind, während Khorchide darauf abzielt, den Koran mittels historisch-kritischer Exegese im humanistischen Sinne auszudeuten. Das Streitgespräch dreht sich immer wieder um diese Differenz und erinnert in dieser Hinsicht stark an die zahlreichen Debatten, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten zwischen liberalen Christen und konfessionsfreien Philosophen stattgefunden haben.
Aus einer säkularen, philosophisch-analytischen Sicht wirken Abdel-Samads Argumente zweifellos überzeugender, das ändert jedoch nichts daran, dass Khorchides Konzept einer humanistischen Islaminterpretation von großer gesellschaftlicher Bedeutung ist. Schließlich können wir nicht erwarten, dass die mehr als eine Milliarde Muslime weltweit über Nacht vom Glauben abfallen. Wie im Fall des (westeuropäischen) Christentums ist daher zu hoffen, dass das argumentative Wechselspiel von externer Religionskritik und interner Religionsreform auch in der muslimischen Debatte zu einer allmählichen Aufhebung fundamentalistischer Denkmuster führt. Hamed Abdel-Samad und Mouhanad Khorchide haben jedenfalls aufgezeigt, wie es gelingen kann, in produktiver Weise über den Islam zu streiten. Ein Buch, dem man viele Leserinnen und Leser wünscht.
Buch-Rezension von Armin Pfahl-Traughber auf hpd.de:
http://hpd.de/artikel/haeltst-du-es-dem-islam-12964

Die nächsten Termine

Die Termine der nächsten Wochen finden Sie, wie immer, im gbs-Terminkalender:
/termine

Mit freundlichen Grüßen

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