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Über die Natur der Dinge

Die "wahre Reformation" wurde vor 600 Jahren ausgelöst – Veranstaltung mit dem Lukrez-Übersetzer Klaus Binder am 29. Oktober in Oberwesel

1517 veröffentlichte Martin Luther seine berühmten 95 Thesen – ein Ereignis, das 2017 als 500. Jubiläumsjahr der "Reformation" gefeiert wird, obwohl Luther zeitlebens im mittelalterlichen Denken gefangen blieb. Der Anstoß für eine wirklich tiefgreifende Reformation des Denkens hatte exakt 100 Jahre zuvor stattgefunden, nämlich mit der Wiederentdeckung des epikureischen Lehrgedichts "Über die Natur der Dinge" des römischen Dichters Lukrez im Jahr 1417. Klaus Binder hat das epochemachende Werk neu übersetzt und wird es am 29. Oktober im "Haus Weitblick" (gbs-Stiftungssitz in Oberwesel) vorstellen.

Da im Zuge der Christianisierung nahezu alle Werke des griechischen Philosophen Epikur (341-271) vernichtet wurden, bieten die rund 7800 meisterhaften Verse von "De rerum natura", die Lukrez (96-54) im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung verfasste, einen einzigartigen Einblick in die epikureische Philosophie. Man kann sich den Schock kaum vorstellen, den das Werk auslöste. Denn die Lehre vom atomaren Aufbau der Welt, von der Veränderung der Arten, der Unendlichkeit des Weltalls, der Sterblichkeit der Seele, dem Gesellschaftsvertrag und dem Streben nach Glück stand im radikalen Gegensatz zu sämtlichen Glaubensdogmen.

Im Keim finden wir bei Epikur und Lukrez bereits alle wesentlichen Elemente des modernen Weltbildes; sie inspirierten solch unterschiedliche Denker wie Giordano Bruno, Galileo Galilei, Montaigne, Shakespeare, Gassendi, die franszösischen Enzyklopädisten, Goethe, Kant, Jefferson, Marx, Nietzsche, Einstein und Camus - und lösten eine kulturelle Veränderung aus, hinter der Luthers Thesen völlig verblassen.

Klaus Binder, Dr. phil., geboren 1946, studierte Philosophie, Soziologie und Germanistik an der Universität Frankfurt und wurde 1977 bei Alfred Schmidt über den Arbeitsbegriff bei Karl Marx promoviert. Von 1984 bis 1991 war er Lektor im Luchterhand Verlag. Seither arbeitet er als freier Lektor, Texter und Übersetzer. Klaus Binder hat mehr als 70 Bücher ins Deutsche übersetzt, darunter das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Werk "Die Wende" von Stephen Greenblatt, das die Wiederentdeckung des epikureischen Lehrgedichts des Lukrez als wesentlichen Auslöser für die Renaissance, die Aufklärungsbewegung und die Entstehung der modernen Naturwissenschaften beschreibt. Lukrez ließ Binder danach nicht mehr los: 2014 brachte er seine von der Kritik gefeierte Neuübersetzung von De rerum natura heraus, die seit 2017 auch in einer preiswerten Taschenbuchausgabe vorliegt.


Lukrez
Über die Natur
der Dinge

Neu übersetzt und kommentiert
von Klaus Binder
dtv 2017, 405 Seiten
€ 16,90
ISBN 978-3-423-14579-4

       

Die Veranstaltung mit Klaus Binder beginnt am Sonntag, dem 29. Oktober 2017, im "Haus WEITBLICK" (Auf Fasel 16, 55430 Oberwesel) um 14.30 Uhr (Einlass: 14.00 Uhr). Da die Anzahl der Sitzplätze begrenzt ist, ist eine vorherige Anmeldung erforderlich (vorzugsweise über dieses Webformular). Eine Rückmeldung erfolgt nur, sofern alle Plätze bereits vergeben sind. Der Eintritt ist frei, Spenden werden jedoch dankend entgegen genommen.

Achtung: Zur Entspannung der Parkplatzsituation bitten wir unsere Gäste, mit der Bahn anzureisen bzw. den PKW am Bahnhof (Mainzer Str., gegenüber der roten Kirche, 55430 Oberwesel) gebührenfrei abzustellen. Ein Taxi-Shuttle für den kostenlosen Transfer zwischen Bahnhof und Stiftungssitz steht vor und nach der Veranstaltung für alle Gäste bereit (Shuttle-Service vom Bahnhof zum "Haus Weitblick" von 13:30 bis 14:30 Uhr sowie nach der Veranstaltung).