Sie sind hier

Der Glaube an die "sanfte Heilung": Wie rational ist das deutsche Gesundheitssystem?

Vortrag von Natalie Grams am 28. Juli im Haus Weitblick

natalie_grams_ausschnitt.jpg

Dr. Natalie Grams (Foto: Dorothee Piroelle, Ausschnitt)

670 Millionen Euro setzen Pharmahersteller in Deutschland pro Jahr mit homöopathischen Präparaten um, deren Wirkungen in der Regel (sofern es sich nicht um "Komplexmittel" mit weitgehend unverdünnten Bestandteilen handelt) nicht über den Placebo-Effekt hinausgehen. Kritikerinnen und Kritiker, die auf entsprechende Studien hinweisen, werden persönlich angegriffen und juristisch unter Druck gesetzt. Besonderen Hass zieht dabei die Ärztin und gbs-Beirätin Natalie Grams auf sich, die am 28. Juli am Stiftungssitz in Oberwesel die Unterschiede zwischen evidenzbasierter Medizin und pseudomedizinischen Glaubenssystemen darlegen wird.

"Homöopathie ist Esoterik und nicht Medizin", meint Natalie Grams – und sie weiß, wovon sie spricht, denn die promovierte Ärztin war mehrere Jahre überzeugte Homöopathin mit einer gut gehenden Praxis in Heidelberg. Risse in ihrem Weltbild entstanden erst, als sie die Argumente der Homöopathie-Kritiker widerlegen wollte und dabei feststellen musste, dass diese richtig lagen. Grams veröffentlichte die Ergebnisse ihrer Studie in dem Buch "Homöopathie neu gedacht". Schon zuvor hatte sie ihre Praxis aufgegeben, obgleich dieser Schritt mit großen ökonomischen Schwierigkeiten wie auch mit dem Verlust von Freundschaften verbunden war, da Homöopathie-Aussteigerinnen oft ähnlich ausgegrenzt werden wie Sekten-Aussteigerinnen.

Dass Natalie Grams innerhalb kürzester Zeit zu der wohl bekanntesten Kritikerin pseudomedizinischer Verfahren in Deutschland aufstieg, ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass sie rationalen Argumenten den Vorrang vor persönlichen Vorteilen einräumte, was ihrer Kritik bis heute eine besondere Glaubwürdigkeit verleiht. Entscheidend ist aber auch die hohe Kompetenz der Ärztin auf dem Gebiet der evidenzbasierten Medizin, die vor allem in ihrem zweiten Buch "Gesundheit! Ein Buch nicht ohne Nebenwirkungen" zum Ausdruck kommt. Inzwischen ist Natalie Grams zu einer derartigen Bedrohung für die Pseudomedizin-Szene geworden, dass der Pharmahersteller Hevert sie, wie u.a. der SPIEGEL berichtet, per strafbewehrter Unterlassungsabmahnung darauf verpflichten will, nicht länger zu behaupten, die Wirksamkeit von Homöopathie gehe "nicht über den Placebo-Effekt hinaus".

Grams hat die Abmahnung nicht unterschrieben, da dies bedeuten würde, dass sie künftig den wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht mehr darlegen dürfte. Legt man die Kriterien der evidenzbasierten Medizin zugrunde, hat die Ärztin in dieser Auseinandersetzung gute Karten. Heikel wäre ein Gerichtsverfahren dennoch, da Homöopathen nach den geltenden gesetzlichen Vorgaben die angebliche Wirksamkeit ihrer Präparate selbst bezeugen können und sie eben nicht durch unabhängige Doppelblind-Studien belegen müssen. Sollte es tatsächlich zu einem Verfahren kommen, wird die Giordano-Bruno-Stiftung ihrer Beirätin selbstverständlich zur Seite stehen, da die Prinzipien der Rationalität aus gbs-Sicht nicht verhandelbar sind. "Autoren oder Ärzte per Klagedrohung anzuhalten, den Stand der Wissenschaft zu verleugnen, ist eine Chuzpe, die einen mit offenem Mund dastehen lässt", schrieb Natalie Grams, nachdem ihr die Unterlassungsabmahnung zugegangen war. Auch darum wird es in ihrem Vortrag am gbs-Stiftungssitz in Oberwesel gehen.

Hinweis zur Veranstaltung:

Die Veranstaltung mit Natalie Grams am 28. Juli 2019 im "Haus Weitblick" (Auf Fasel 16, 55430 Oberwesel) beginnt um 14.00 Uhr mit einem Sektempfang, der offizielle Programmteil startet gegen 15.00 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Reservierung jedoch zwingend erforderlich. Bitte melden Sie sich über dieses Webformular für die Veranstaltung an. (Eine Rückmeldung erfolgt von unserer Seite nur, wenn die Veranstaltung bereits ausgebucht ist.)

ACHTUNG: Zur Entspannung der Parkplatzsituation bitten wir unsere Gäste, mit der Bahn anzureisen bzw. den PKW am Bahnhof (Mainzer Str. 6, gegenüber der roten Kirche, 55430 Oberwesel) gebührenfrei abzustellen. Ein Taxi-Shuttle für den kostenlosen Transfer zwischen Bahnhof und Stiftungssitz steht vor und nach der Veranstaltung für alle Gäste bereit (Shuttle-Service vom Bahnhof zum "Haus Weitblick" von 13:30 bis 14:30 Uhr, nach Veranstaltungsende Rückfahrt vom Stiftungssitz zum Oberweseler Bahnhof).